Inhalt der Website – Weshalb Kunst neu denken?

Eine symbolische Revolution ist notwendig. Wir befinden uns in einem Umbruch von Werten und Vorstellungen, die die Geschichte der Menschheit in den letzten 5.000 Jahren geprägt haben. Wir müssen von einem patriarchalischen, hierarchischen Weltbild Abschied nehmen und neue egalitäre, demokratische Vorstellungswelten entwickeln. Die symbolische Revolution impliziert die Neubewertung der Ideologien, Mythen und Religionen, kurz: eine neue Ausrichtung unserer Kultur und Kunst. Das Jahrtausende alte Wertesystem gehört auf den Prüfstand.


Ein „normaler Mensch“ konnte noch nie ein bedeutendes Kunstwerk als Original besitzen. Das war den Reichen und Herrschern vorbehalten, die damit auch das Kunstverständnis ausrichteten. In einem Zeitalter mit demokratischen Vorstellungen sollte auch ein demokratisches Kunstverständnis ausgearbeitet werden. Diesem Ziel dient diese Website. Sie gliedert sich in fünf Abschnitte:

Abschnitt I. begründet, weshalb wir unsere Seh- und Denkweisen überprüfen und neu ordnen müssen. Weshalb Kunst neu denken?

Abschnitt II. arbeitet Grundlagen für eine Alternative Kunstgeschichte aus.

Abschnitt III. stellt aktuelle Thesen zur Kunstgeschichte zur Diskussion.

Abschnitt IV. untersucht die Verbindungen der Kunst mit anderen Wissenschaften.

Abschnitt V. gibt Anregungen für besondere Kunstbücher.

Literatur / Bildhinweise


Auf Anregungen, Kritik und weitere Überlegungen freue ich mich. Fragen beantworte ich gern: rolf.famulla@t-online.de

Weshalb Kunst neu denken?

Meine Position

Kunst sagt sehr viel über den Zustand eines Menschen, eines Künstlers aus – ja über den einer Gesellschaft insgesamt. In der Kunst drückt der Mensch seine seelischen Kräfte, sein Glücksgefühl oder seine innere Not aus, seine Psyche, sein Denken und seine Motivation zum Handeln. Sein Streben nach Harmonie oder seine Zerrissenheit. An den Kunstwerken kann diagnostiziert werden, ob die Menschen ihre Umwelt, ihr Gegenüber realistisch erfassen, mit ihren Mitmenschen darüber kommunizieren können oder ob Ängste, Befürchtungen ihre Sicht verstellen. Die Kunstgeschichte kann aus dieser Perspektive als eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit gelesen werden. Sie ist keine kontinuierliche Erfolgs- oder Fortschrittsgeschichte. Wir denken in Bildern. In einer Ausstellung mit sehr anspruchsvollen, ästhetischen Fotografien stellte ich spontan fest: Die Frau ist vergewaltigt worden (ich kannte die Künstlerin nicht persönlich). Die Diagnose stimmte. Genauso ergeht es ganzen Gesellschaften. Kriege „vergewaltigen“ ganze Bevölkerungen, so dass sie unfähig zur Kommunikation werden, es ihnen buchstäblich „die Sprache verschlägt“.
Nach dem 30-jährigen Krieg dauerte es 100 Jahre, bis in Deutschland wieder kulturelles Leben erblühte. Sind die Wunden des Nazi-Regimes und des Zweiten Weltkrieges verheilt? Nicht nur das Psychologen-Ehepaar Mitscherlich äußerte Zweifel, ob es der „Täter-Generation“ möglich sein werde, sich von Narzissmus und Gruppen-Allmachtsfantasien zu befreien und über ihre Schuld ehrlich zu trauern. Diese Generation gibt aber ihre Bilder an die nächste Generation weiter. Zusätzlich spiegeln sich in den Bildern Belastungen und Zwänge des Arbeitslebens und der persönlichen Beziehungen. Wir müssen die Fähigkeit entwickeln, sie zu lesen, darüber zu kommunizieren und nach neuen Möglichkeiten zu suchen.